Die Quelle

Sie war schon seit den ersten Sonnenstrahlen unterwegs. Manchmal fing sie an zu singen, wenn sie lief und ihre Beine trugen sie noch leichter dem Gipfel entgegen. Sie musste sich ein wenig beeilen, die Zeit reichte genau, sodass sie bei Sonnenuntergang wieder zu Hause sein würde. Es war das zweite Mal, dass sie sich auf den Weg machte, den Berg zu besteigen und ein leises Kribbeln stieg ihre Beine nach oben. Sie wusste bereits, dass es kein Leichtes sein würde, den Krug mit dem Bergwasser zu füllen, den sie bei sich trug. Auf Knien würde sie sich nach vorn robben, um die Quelle zu erreichen und nicht nach unten schauen, wo der Abgrund steil neben ihr lag. Manchmal war es besser, die Augen zu schließen, sich auf die anderen Sinne zu verlassen. Doch nichts hatte sie jemals als so heilig empfunden, wie dieses Wasser. Es war als sänge es zu ihr und schickte ihr ein Meer aus Farben. Niemandem sonst hatte sie verraten, woher sie das Wasser nahm, das man im Dorf auf die Augen der Blinden, Ohren der Tauben und Füße der Müden strich. Es gab schon immer Wunder und Sagen und sie hatte den Schlüssel dazu im Herzen. Sie trug das Wasser zu den Menschen auf Füßen der Liebe, mit der Stimme der Reinheit und dem Mut, der die Kraft besitzt zu heilen. Die Quelle alleine war das Tor.

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